Der doppelte Schicksalsschlag: Brustkrebs und Brustabnahme – Experte Dr. Daniel Müller klärt auf

9. August 2018

Der doppelte Schicksalsschlag: Brustkrebs und Brustabnahme – Experte Dr. Daniel Müller klärt auf

Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs (Mammakarzinom). Dabei erfordert die Behandlung häufig eine Abnahme der Brust, um betroffenes Gewebe zu entfernen. Hier hat die Medizin im Laufe der letzten Jahre enorme Fortschritte gemacht. Wurde vor einigen Jahren noch radikal vorgegangen, sind die Methoden nun wesentlich schonender. Visionär auf diesem Gebiet ist Privatdozent Dr. Daniel Müller aus München Grünwald. Der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie behandelt Betroffene sowohl unter gesundheitlichen als auch ästhetischen Aspekten und kennt die psychologischen Herausforderungen für Brustkrebspatientinnen. Er beschreibt im folgenden Interview die Möglichkeiten, die Patientinnen heute haben, um auch nach Abnahme (Ablation) nicht auf das Sinnbild für Weiblichkeit verzichten zu müssen.

Dr. Daniel Müller, Sie sind seit vielen Jahren als Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie auch auf dem Gebiet der Brustrekonstruktion tätig, die vor allen Dingen ein Thema bei Krebspatientinnen ist. Was macht dieses Gebiet so speziell?  

Müller: Der Verlust der Brust aufgrund eines Brustkrebs-Befundes berührt bei einer Frau eine ganz andere Ebene als bei Patientinnen, die ohne eine krankheitsbedingte Vorgeschichte eine Korrektur oder eine Vergrößerung ihrer Brust anstreben. In beiden Fällen stehen ernstzunehmende Wünsche der Frauen im Vordergrund. Bei Krebspatientinnen kommt aber noch das Leid der Krankheit hinzu. Mit der Rekonstruktion soll ihr „gewohntes“ Bild der Brust wiederhergestellt werden. Das ist für den Chirurgen eine große Herausforderung.

… der Sie sich seit vielen Jahren stellen. Welche Möglichkeiten haben Brustkrebs-Patientinnen denn heutzutage?

Müller: Es gibt drei Varianten der Brustrekonstruktion. In den meisten Fällen wird zu einer Wiederherstellung der Brust mit einem Silikongelimplantat oder einer Rekonstruktion mit Eigengewebe geraten. In seltenen Fällen kann auch eine Kombination beider Varianten die Lösung sein.

Und wo liegen die Unterschiede beziehungsweise Vor- und Nachteile dieser Varianten?

Müller: In den meisten Fällen wird bei einer Brustablation nur die Brustdrüse entfernt. Die Haut bleibt in der ehemaligen Größe bestehen. So kann ein Silikonimplantat in der Größe der vorherigen Brust eingesetzt werden, um diese wiederherzustellen. Der Wiederaufbau der Brust findet im Zuge der Brustablation statt, sodass nur ein Eingriff nötig ist und die Patientin lediglich eine Narbe zurückbehält. Die zweite Methode ist die Rekonstruktion der Brust mit Eigengewebe.

Das Schöne daran ist, dass die Silhouette der Brust beliebig formbar ist. Das Eigengewebe erhält man entweder vom Unterbauch, vom Gesäß oder von den Innenseiten der Oberschenkel. Eigengewebe hat den großen Vorteil, dass es keinen Fremdkörper darstellt und die Brust viel besser nachgebildet werden kann als mit einem Silikonimplantat. Das natürliche Ergebnis bleibt für den Rest des Lebens bestehen, es fallen im Vergleich zur Rekonstruktion Silikonimplantaten keine weiteren Eingriffe an. Letztlich ist die Rekonstruktion mit Eigengewebe etwas aufwändiger und man muss tolerieren, dass an der Stelle, wo das Gewebe entfernt wurde, eine zusätzliche Narbe entsteht.

In besonderen Fällen ist es mittlerweile möglich, auch ohne zusätzliche Narbe, Eigengewebe laparoskopisch aus dem Inneren des Bauches zu gewinnen. Diese Brustrekonstruktion mit dem großen Netz führe ich seit zwei Jahren durch. Hierbei entstehen keine zusätzlichen großen Narben.

Und wie verhält es sich mit der Kombination der beiden Verfahren?

Müller: Das älteste Rekonstrukionsverfahren mit Eigengewebe vom Rücken (Musculus latissimus dorsi-Plastik) inkl. dem Implantat war früher die am häufigsten durchgeführte Brustrekonstruktionsmethode weltweit, da für den Wiederaufbau mit alleinigem Eigengewebe meist zu wenig Volumen vorhanden war. Bei kleinen Brüsten reichte eine Rekonstruktion mit Eigengewebe manchmal aus, meistens musste jedoch ein Implantat hinzugefügt werden. Dabei wird das Implantat komplett in den Muskel eingebracht, sodass die Weichteilbedeckung des Implantates deutlich besser ist als bei alleiniger Implantatrekonstruktion. Dennoch wird diese Methode heute von den Patientinnen nicht mehr so leicht akzeptiert, da sie Beeinträchtigungen ihres Bewegungsapparates durch das Opfern des Muskels befürchten. Ist eine Implantatrekonstruktion oder alleine Eigengewebsrekonstruktion nicht möglich, bietet dieses Verfahren immer noch eine ausgezeichnete Alternative.

Was passiert, wenn eine erneute Bestrahlung notwendig wird?

Müller: Die Erfahrung zeigt, dass die Brustrekonstruktion in diesem speziellen Fall nach der Bestrahlung durchgeführt werden sollte. Aufgrund der Belastungen, denen das Gewebe bei dieser Methode ausgesetzt ist, können Fibrosen entstehen, die sich auf das Erscheinungsbild der Brust auswirken. Alternativ kann auch ein sekundärer Wiederaufbau der Brust erfolgen. Hierbei wird zunächst ein Platzhalter in die Brust eingebracht und dann unter erholten Hautverhältnissen die abschließende Brustrekonstruktion durchgeführt. Für diesen Fall bietet sich die Rekonstruktion mit Eigengewebe an, da durch diese Methode auch Beeinträchtigungen der Haut ausgeglichen werden können.

Und wie sieht es mit der Wiederherstellung der Brustwarzen und des Vorhofes aus?

Müller: Die Brustwarze kann sehr gut durch lokale Lappenplastiken rekonstruiert werden. Dabei wird die vorhandene Haut des umliegenden Bereiches für den Wiederaufbau genutzt. Die typische Farbgebung der Brustwarze (Mamille) und des Warzenvorhofes wird am besten durch eine professionelle medizinische Tätowierung rekonstruiert.

Welches Verfahren der Rekonstruktion empfehlen Sie?

Müller: Das kann hier und so nicht ad hoc beantwortet werden. Jede Frau, jeder Körper, jede Brust ist anders. Ich als praktizierender Arzt habe den Anspruch, nicht nur die physischen, sondern auch psychischen Aspekte mit in Betracht zu ziehen. Jeder Charakter ist anders. Deshalb geht bei allen meinen Operationen ein eingehendes Beratungsgespräch voraus.

Wann wäre denn eine Operation Ihrer Ansicht nach sinnvoll? Direkt nach Entfernung der Brust?

Müller: Ja, da in den meisten Fällen heutzutage eine subkutane Mastektomie (alleinige Entfernung der Brustdrüse) ausreichend ist, wird die primäre Rekonstruktion favorisiert. Nur in speziellen Situationen (eventuell noch durchzuführende Bestrahlungen) raten wir den Patientinnen zu einer Sekundär-rekonstruktion.

Eine letzte Frage noch, Herr Dr. Müller, die viele Betroffene interessieren dürfte: Werden die Kosten einer Rekonstruktion von der Krankenkasse übernommen?

Müller: Ja, das werden sie – sowohl von gesetzlichen als auch privaten Versicherern.

 

Sie haben Interesse oder Nachfragen? Nehmen Sie gerne Kontakt zu Dr. Daniel Müller auf und lassen Sie sich in seiner Praxis in München Grünwald kompetent beraten. Sie können Ihren Termin auch direkt online buchen.

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